Sofortige Prophezeiung
Ich verlasse diese Seite.
Das Papier ist nutzlos geworden.
Klagen ist nutzlos.
Ich habe soeben mit der Faust
auf den Tisch des Hungers und des
Wuchers geschlagen.
Ich habe soeben die Angst an einen
rasenden Blitz gebunden
den fallenden Schnee aufgefangen
meine Seele in eine trockene Haut
verwandelt.
Ich habe soeben eine Zielscheibe
auf meine Stirn gemalt
den vernebelten Augen den Morgen
gebracht
die Trauer und das Fieber auf die
Stra§e getragen.
Das Papier ist nutzlos geworden.
Klagen ist nutzlos.
Ich schreibe an die Wand.
© Juan
Ba–uelos, Im Grasgang
© Fondo
Editorial Casa de las AmŽricas, Havanna, Kuba 2005
©
†bersetzung: Eva Srna, Wien 2009
Zoologischer Garten
Der
Schatten eines Vogels
gemahnt
mich an die flŸchtige Zeit.
Der Regen
benetzt das Schweigen der Steine
und jede
HŸtte auf dem HŸgel blškt
inmitten
der Ulmen. Jemand hustet
und nimmt
seine FŸnf-Uhr-Medizin.
Das
Klatschen der WŠsche
an den
Ufern des Sabinal
erstirbt in
der DŠmmerung.
In den
Tiefen der Pfarrersbucht spielen
die Buben
heimlich mit den MŠdchen
und die
gelben BŠume und die Affen
und der
Adlerschrei
und das
Knurren des Pumas
lŠhmen mein
von Trauer belagertes Herz.
Der
Schatten des Vogels neigt sich.
Und wŠhrend
eine Welle von MarimbaklŠngen mich mitrei§t, kommt der Kummer
mit dem
AngeluslŠuten
kommen vier
betrunkene Maurer
vom Wind
gewiegt
(der Wind
von Tuxtla ist ein freundlicher Wind:
er flŸstert
uns ins Ohr, was die Leute reden).
Was fŸr ein
hinfŠlliger Trauerzug
der Himmel
ist eine Boa im Wipfel eines Baumes
und vier
MŠnner gehen weiter.
Das ertrunkene
MŠdchen trŠumt einen Eichhšrnchentraum.
© Juan
Ba–uelos, Der Anzug, den ich morgen trug
© Plaza
& JanŽs, Barcelona, Spanien 2000
©
†bersetzung: Eva Srna, Wien 2009
Die Landkarte
Ich habe
mein Heimatland lange betrachtet.
Man sieht
ihm die Traurigkeit an, auf der Landkarte schon.
Die Alten
erklŠren uns
es sei
frei, werde nicht bedroht von gierigen Krallen.
Und bis
heute war ich mit Blindheit geschlagen
denn mein
Heimatland wird von Wunden verdunkelt
von
Stiefeln getreten, TŸren werden ihm versperrt:
unbedingte
Haft, die Stra§en bewacht.
Mit
vereintem Schwei§ machen wir uns ans Warten,
denn kein
Schmerz wŠhrt so lange wie ein Schandfleck wŠhrt.
Und wir
wissen von NŠchten, von UrteilssprŸchen
doch wir
wissen auch, dass der Morgen kommt.
Lasst uns
erwachen, geschmeidig sein, flŸssiges Erz
wie der
Durst es will, Ackererde
wie die
Steine es wollen, ein einfacher Garten
wie die
Flammen es fordern
und schlie§lich
– endlich – Haut, zur Furche gešffnet.
Ich habe
lange auf die Karte geschaut.
Und an
meine Kinder gedacht. Das tut weh. Denn es waren alle Kinder.
Ich
buchstabiere den Namen meines Heimatlandes
suche eine
Zuflucht fŸr meinen Blick.
Und plštzlich
kommt mir ein blutiges Bild:
Mexikaner
von salziger Erde
lumpiger
BetrŸger
der du die
Nacht und die BlŠtter frisst
Katastrophe
von KŸste zu KŸste
ich bin auf
der Suche nach einem Volk
ich
bin auf der Suche nach einem Volk.
Sprich.
© Juan
Ba–uelos, Im Grasgang
© Fondo
Editorial Casa de las AmŽricas , Havanna, Kuba 2005
©
†bersetzung: Eva Srna, Wien 2009
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