Fensterbild der Vergangenheit
Nie hat die
Vergangenheit von uns abgelassen:
ZŠh, trotz
Episoden scheinbaren Vergessens,
blieb sie
uns auf den Fersen, verstohlen
hinter den
BŠumen wie ein Dieb.
Als blinder
Passagier
kam sie mit
auf die Reise
in
Flugzeugen und ZŸgen,
die wir
freiwillig oder auf der Flucht bestiegen.
In den
Hotelzimmern
hinter dem
Belag der Spiegel
registrierte
sie als Kupplerin die Kšrper,
die
verboten waren und die wir liebten.
Zwar verlor
sie šfter die Richtung
(nicht aber
die FŠhrte) unserer Reise,
doch hielt
sie durch, fuhr fort damit, bedŸrftig
StŸckchen
unseres Lebens aufzulesen.
Es mussten
nur die Jahre niederregnen
und wir
langsam werden,
damit wir
sie auf unserem RŸcken spŸrten, sie und ihr BŸndel
voller
Plagen und Wunder.
© Eduardo
Mitre, Die Kirchenfenster meiner Erinnerung
© Edit.
Pre-textos, Valencia, Espa–a 2007
©
†bersetzung: Birgit Weilguny, Wien 2009
Manhattan Transfer
Zwischen
Stille und LŠrm
šffne ich
einen Tunnel aus Worten
geradewegs
nach Cochabamba.
Mit dem
Schirm aus Manhattan
durchmesse
ich die verregnete Distanz,
die
DŸsternis der Minen.
Auf
einmal
ertšnt
helles GlockengelŠut:
Es ist die
Kirche beim Hospiz.
†ber der
Plaza Col—n geht die Sonne auf:
Ich
betrachte die bauchigen Wolken,
die
blŸhenden Jakarandas,
die zwei
Weiden am Teich.
Begebe mich
in die vertraute Gasse,
erkenne das
Haus,
lasse die
kalte Vorhalle hinter mir
und nehme
die sonnigen Stufen.
Worte
dringen aus der KŸche:
Ich nŠhere
mich, spŠhe durchs Fenster:
Es sind die
beiden, wie immer beisammen,
die Brot
backen und plaudern
und sich
vielleicht fragen
was ich um
diese Zeit
wohl in
Manhattan mache.
© Eduardo
Mitre, Die Kirchenfenster meiner Erinnerung
© Verlag
Pre-textos, Valencia, Spanien 2007
©
†bersetzung: Birgit Weilguny, Wien 2009
Sehnsucht
Wenn die
Erinnerung eine Stadt wŠre
und kein
Standbild
und die
Abwesenheit ein Brief
und keine
kalte Schulter
und dieser
Abend jener Morgen
und
Amsterdam Cochabamba
und dieses
Zimmer jene Gasse
und dieser
Schatten jene BŠume
und dieser
Name jenes Gesicht
und jener
Mund dieses Blatt Papier
und jenes
Schweigen diese Worte.
© Eduardo
Mitre, Der Pilger und die Abwesenheit, Anthologie
© Instituto
de Cooperaci—n Iberoamericana, Madrid 1988
©
†bersetzung: Birgit Weilguny, Wien 2009
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